Welpenspende

Wir haben uns bereits seit gut einem Jahr mit dem Gedanken getragen, uns mit unseren Hunden im karitativ-sozialen Bereich zu engagieren. Der Collie ist sehr gut geeignet für die Arbeit als Therapiehund, Besuchshund in Altenheimen und Schuleinrichtungen, Rettungshund oder auch Behindertenbegleithund. Aus Zeitgründen ist mir eine gemeinsame Ausbildung mit einem meiner Hunde zum Therapiebegleithund(eführer) oder gar Rettungshund(eführer) und eine nachfolgende Tätigkeit in dem Bereich leider nicht möglich.

Nach langen Überlegungen kam uns der Gedanke, einen vielverprechenden und wesensfesten Welpen für die Ausbildung zum Assistenzhund zu spenden. Doch die Umsetzung dieser Idee entpuppte sich als schwierig. Die Ausbildung eines Assistenzhundes wird in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen, sondern muss der Behinderte selber tragen. Die Kosten belaufen sich auf ca. 20.000 Euro, für viele Behinderte schlichtweg unbezahlbar. Selbst wenn man durch intensive Recherche einen behinderten Menschen ausfindig macht, der dringend die Hilfe eines Assistenzhundes benötigt, so würde ihm die Welpenspende nicht viel weiter bringen, da die restlichen Ausbildungskosten immer noch unerschwinglich wären. Eine Spende an eine Ausbildungseinrichtung für Assistenzhunde ist aus den gleichen Gründen nicht sinnig. Der Trainer würde den gespendeten Hund zwar ausbilden, aber seine Arbeit dem künftigen behinderten Hundeführer trotzdem in Rechnung stellen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff „Ausbilder von Behindertenbegleithunden“ (Therapiehunden, Assistenzhunden, etc.) nicht geschützt ist, es keine anerkannte bundeseinheitliche Ausbildung gibt, die berechtigt, diesen Titel zu tragen. Auf gut Deutsch: Jeder kann sich so betiteln, da noch nicht einmal der Begriff „Hundetrainer“ geschützt und anerkannt ist. Wie also die fähigen von den unfähigen Trainern unterscheiden? Wie die seriösen von den unseriösen? Was geschieht dann mit unserem gespendeten Welpen, wenn wir uns bei der Auswahl „vergreifen“? Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen und legten das Thema erst einmal „auf Eis“.

 


Durch Zufall kam ich auf die Internetpräsenz der „Kynos-Stiftung“. Die Stiftung ist ein Ableger des Kynos-Verlages, der allgemein bekannt ist durch seine Fachbücher aus dem Bereich der Kynologie. Die Stiftung wurde im Jahre 1998 vom Ehepaar Dr. Dieter Fleig und Helga Fleig gegründet und finanziert sich durch Spenden- und Sponsorengelder, Mitgliedsbeiträgen des Fördervereins Kynos Stiftung Hunde helfen Menschen sowie aus Gewinnen des Kynos Verlages. Schirmherr der Kynos Stiftung ist der Landesbehindertenbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Herr Staatssekretär Dr. Richard Auernheimer. Die Stiftung übernimmt die Auswahl, Beschaffung und Ausbildung von geeigneten Hunden zum Servicehund (Behindertenbegleithunde, Therapiehunde und auch Signalhunde). Im Anschluss an die Ausbildung wird der Hund dann einem geeigneten behinderten Hundeführer überlassen, jedoch überwacht die Stiftung weiterhin die Haltung und Ausbildung des Servicehundes und die Zusammenarbeit mit dem Hundeführer. Ausführliche Infos: www.kynos-stiftung.de

Dieses Konzept erscheint uns durch und durch seriös und daher wollten wir die Stiftung mit einer Welpenspende aktiv unterstützen.

Nun nimmt die Stiftung aber „nicht jeden Welpen“, er muss dafür auch charakterlich und gesundheitlich geeignet sein. Idealerweise wird der Wurf, aus dem ein Welpe gespendet werden soll, im Alter von 42-47 Tagen von einem Trainer der Kynos-Stiftung mittels Campbell-Welpentest auf seine charakterliche Eignung hin getestet. Der Trainer entscheidet dann, welche Welpen des Wurfes generell geeignet wären, von denen der Züchter dann einen Welpen seiner Wahl für die Spende auswählt.


Das ist das Anforderungsprofil der Stiftung:

  •          Stabiles Wesen
  •          Menschenfreundlichkeit
  •          Keinesfalls neurotisch, scheu oder furchtsam
  •          Gemäßigt energisch
  •          Nicht hyperaktiv
  •          Nicht aggressiv, weder ausgeprägt zögerlich noch schützend
  •          Niedriger Jagdinstinkt
  •          Konzentrationsfähigkeit über längere Perioden
  •          Nicht leicht ablenkbar
  •          Arbeitswillig
  •          Kindern gegenüber selbstbewusst und tolerant
  •          Anderen Tieren gegenüber selbstbewusst und tolerant
  •          Aufmerksam auf die menschliche Stimme
  •          Nicht geräuschempfindlich
  •          Zu vernünftiger Eigeninitiative in der Lage
  •          Nicht zu dominant oder eigenwillig
  •          Fähigkeit Umfeld und/oder Führer ohne zu starke Stressbelastung zu wechseln
  •          Nicht wehleidig
  •          Möglichst frei von Erbkrankheiten

Die Stiftung nimmt eine Prüfung des Welpens auch in fortgeschrittenerem Alter vor. Wichtig ist aber nicht nur die charakterliche Eignung. Die Aufzucht und Sozialisierung mit verschiedensten Umweltreizen ist von größter Bedeutung. Ein Welpe, der nur im Auslauf oder in einer Pferdebox aufgezogen wurde, der „nichts kennt“, ist nicht geeignet. Verschiedene Bodenuntergründe, intensiver Kontakt mit verschiedenen Menschen, Kindern und Haustieren, älteren Hunden, Wasser, Autofahrten, Haushaltsgeräuschen, etc. prägen einen Welpen und bereiten ihn vor auf ein Leben mit und unter Menschen.

Der letzte wichtige Aspekt ist die Gesundheit des Welpens. Die Ausbildung des Hundes ist sehr arbeits- und kostenintensiv. Wenn der Hund aus gesundheitlichen Gründen die Ausbildung nicht beenden kann oder die Arbeit später nicht ausführen kann, ist das ein großer finanzieller Verlust für die Stiftung und persönlicher Verlust für den behinderten Menschen.

Für die Rasse Collie bedeutet das, dass der Welpe aus HD-freien Eltern stammt. Er muss nachweislich frei sein vom MDR1 Defekt. Das Risiko, dass ein MDR1 betroffener Hund aus Versehen an Medikamente kommt, die ihm schaden oder ihn gar töten könnten, ist in einem Haushalt mit behinderten Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen, viel zu groß. Der Welpe muss ebenfalls frei von erblichen Augenkrankheiten sein, wobei eine milde CEA, die nicht zur Sehbeeinträchtigung führt, kein Problem ist. Aber z.B. Kolobome sind nicht akzeptabel, ein Servicehund muss über seine volle Sehfähigkeit verfügen können.



Die Welpen aus unserem Kurzhaarwurf vom September 2008 haben alle das offene, mutige und gelassene Wesen ihrer Mutter geerbt, eine ideale Voraussetzung. Weiterhin sind alle Welpen frei von erblichen Augenkrankheiten, keiner ist vom MDR1-Defekt betroffen und beide Eltern haben HD-A (frei). Wir beschlossen, der Stiftung „Lavender“ anzubieten, den größten und kräftigsten Welpen aus dem Wurf. Ich wandte mich an die Stiftung und wir besprachen die charakterliche Eignung Lavenders, unsere Aufzucht, seine Gesundheitswerte und vor allem seinen möglichen Werdegang bei der Stiftung. Ich wollte genau erfahren, wie mit Lavender verfahren werden würde, an wen er vermittelt würde, ob ich darüber informiert werde, etc. zu meiner Beruhigung erfuhr ich, dass man mit mir als Züchter einen Vertrag abschließen würde, mit folgenden Inhaltspunkten:
        

  • es wird zwingend vereinbart, dass diese Schenkung ausschließlich dazu dient, den Welpen entsprechend dem Stiftungszweck aufzuziehen und auszubilden.
  • die Stiftung wird den Hund in einer geeigneten Patenfamilie aufwachsen lassen, wo er bereits für seine spätere Ausbildung vorbereitet wird.
  • Der Hund wird von der Stiftung während der gesamten Ausbildungszeit und nach Übergabe an den behinderten Menschen weiter betreut.
  • Sollte sich während der Paten- und Ausbildungszeit ergeben, dass der Hund für die gestellte Aufgabe aus Gründen der Nichteignung (z. B. aus gesundheitlichen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten, o.ä.) aus dem Ausbildungsprogramm raus fällt, so sorgt die Stiftung dafür, dass “Lavender“ in gute Hände vermittelt wird, wobei die erste Option beim Züchter und die zweite Option bei der Patenfamilie liegt.
  • Die Stiftung wird es auch ermöglichen, dass Züchter und Hund den wechselseitigen Kontakt nicht verlieren, der Züchter in der Lage ist, sich vom Wohlbefinden seines Hundes z. B. durch persönlichen Besuch zu überzeugen.



Mit diesem Vertrag konnte ich mich im Sinne meines Hundes einverstanden erklären. So wurde Lavender am 13. Januar von einem Mitarbeiter der Stiftung begutachtet und dann von ihm zu seiner neuen Patenfamilie in die Eifel überführt. Dort ist er wohlbehalten angekommen und wurde von seinem neuen Hundepartner, dem Labrador "Pan", sofort akzeptiert. Lavender wurde in „NEMO“ umgetauft, da dieser Name auch für sprachbehinderte Menschen (Spastik) noch gut auszusprechen ist. Für welche Art Ausbildung er geeignet ist, welche Art von Behinderung sein künftiger Hundeführer hat, wird der Verlauf seiner Entwicklung und Ausbildung zeigen. Er wird jetzt die nächsten 12 Monate in der Obhut seiner Patenfamilie aufwachsen. Wir werden hier in regelmäßigen Abständen über Nemo’s Entwicklung, Ausbildung und Wohlergehen berichten. Ein erster Besuch in der Eifel ist für den Sommer geplant
J



Neuigkeiten vom Juli 2009!

Zu unserer Überraschung hat uns auf unsere Nachfrage hin die Stiftung mitgeteilt, dass Nemo seine Patenfamilie bereits wieder verlassen hat  und sich zur weiteren Ausbildung bei seinem Trainer befindet. Dort wurde er 4 Wochen beobachtet und für die Ausbildung zum Blindenführhund -der Königsklasse unter den Ausbildungen- empfohlen! Damit er die Ausbildung sofort beginnen kann, muss sichergestellt sein, dass er gesundheitlich topfit ist, da die Ausbildung sehr kostenintensiv ist. Deshalb wurde Nemo bereits jetzt schon komplett durchgetestet, großes Blutbild, erneute Augenuntersuchung, HD- und ED- Untersuchung (Vorröntgen). Alle Befunde sind einwandfrei, so dass Nemo jetzt schonend auf seine Aufgaben vorbereitet wird. Selbstverständlich steht die eigentliche Eignungsuntersuchung trotzdem ein zweites Mal im Oktober an, dann erst ist das Ergebnis "amtlich". Ich werde Nemo zum Jahresende bei seinem Trainer besuchen und mich ausführlich über die Ausbildung zum Blindenführhund informieren und sehen, wie "er sich macht".



Natürlich habe ich von Nemo neue Bilder :-) Er ist riiieeesengroß geworden, wie man sehen kann. Die Bilder wurden mir von Frau Kolbe, einer Mitarbeiterin der Kynos-Stiftung übersandt, mit folgender Mail:

Hallo Frau Noelle,

hier nun endlich die versprochenen Photos von unserem Nemo bei der Übernahme von seiner Patenmutti. Wie Sie sehen, war Nemo wie immer sehr interessiert an allem Neuen. Egal ob groß oder klein – er hat mit keinem anderen Hund /andere Tiere Probleme. Auch im Rudel bei unserem Trainer gab es keinerlei Kontaktschwierigkeiten, so dass wir uns sehr freuen und alle hoffen, dass er eventuell sogar einem blinden Menschen nach der Intensivausbildung als wertvolle Hilfe und lieben Freund zur Seite stehen könnte. Nach den (erstklassigen) Voruntersuchungsergebnissen beim Tierarzt müssen wir uns um die Eignungshauptuntersuchung mit gut einem Jahr keine Sorgen machen. Wie bereits mitgeteilt, befindet sich  Nemo in der Obhut seines Fachtrainers, er lernt fleißig, ist stets interessiert und wird gut auf seine Intensivausbildung vorbereitet.  

Viele liebe Grüße sendet Ihnen

Ihre Kynos Stiftung

Petra Kolbe

      

Wir sind superstolz auf unseren Nemo und werden zum Jahresende weiter berichten. 

Neuigkeiten vom Dezember 2009!

Wie geplant wollte ich Nemo zum Jahresende bei seinem neuen Trainer besuchen. Das war so vereinbart gewesen, trotzdem hat es mich einige Mühe und Überzeugungskraft gekostet, die Adresse und den Aufenthaltsort von Nemo von der Stiftung zu bekommen. Man war dort sehr zugeknöpft und nicht von der Idee begeistert, dass ich den Hund dort besuchen wollte. Er befand sich bei einem Trainer im Taunus. Das ist nun nicht gerade um die Ecke, aber ich nahm mir ein paar Tage frei und fuhr dort hin, ohne Termin. Nach einigem Suchen fand ich das Anwesen und sah Nemo das erste Mal wieder. Auf einem großen Innenhof mit ca. 10-12 Labradoren und "Außenanlagen für die Unterkünfte der Hunde", man kann auch sagen Zwingerhaltung. Nemo sah nicht gut aus. Er war sehr groß, aber stark abgemagert. Ich klingelte und nach einigem Hin- und Her wurde ich eingelassen. Der Trainer war nicht da, dafür aber seine Lebensgefährtin und der Assistenztrainer, der mir ja viel mehr über den Hund sagen könne, da er ihn trainieren würde. Ich wollte möglichst viele Details herausbekommen, daher schluckte ich mein Entsetzten über die Unterbringung und den Zustand von Nemo herunter und machte "auf gut Wetter".  Nemo und ich wurden in den ersten Stock in eine Art Wohnküche mitgenommen, die max. 15 qm groß war. Man versuchte mir zu erzählen, dass Nemo dort untergrbracht wäre, aber der Hund schnüffelte an allem interessiert herum, als ob er dort erstmalig wäre. Auch die Katze, die in der Küche war, flüchtete vor Entsetzten auf einen hohen Kratzbaum und behielt Nemo panisch im Auge. So reagiert keine Katze, wenn sie den Hund regelmäßig um sich hat. Auf mein Nachfragen hin kam dann heraus, dass Nemo bereits im September die Ausbildung zum Blindenführhund abgebrochen hat, da er zwar die Befehle beherrschte, sie aber auf Grund einer gewissen Sturheit nicht immer zuverlässig abspulte. Verständlich, ein Blindenführhund muss zu jeder Zeit verlässlich sein. Auf meine Frage hin, was denn nun in den letzten drei Monaten mit ihm gemacht worden wäre, hieß es, dass er ja "eigentlich" mehr beim Assistenztrainer leben würde (wo immer das ist) und er auf die Vermittlung zum Behindertenbegleithund warten würde. Diese Vermittlung wäre für frühestens März geplant... Ich beschloss, dass ich hier nicht wirklich weiter kommen würde, da mein Gesprächs- und Vertragspartner die Kynos-Stiftung ist. Nach ein paar Bildern fuhr ich wieder nach Hause:



Deutlich sind die Rippen und die eingefallenen Flanken zu sehen. Bei ca. 70 cm Stockmaß wog er nur geschätzte 22-23kg. Ich setzte mich dann sofort mit Frau Kolbe in Verbindung. Laut Vertrag sollte Nemo während der gesamten Zeit bei seiner Patenfamilie, bei seinem Trainer und bei der späteren Familie NIEMALS in einem Zwinger untergebracht werden. Ferner sollten häufige Wechsel von Bezugspersonen unterbleiben, um den Hund nicht zu verunsichern. Der Aufenthalt bei dem Trainer sollte so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich andauern und eine Vermittlung in sein endgültiges Zuhause schnell und zügig ablaufen. Der Aufenthaltsort des Hundes sollte mir jederzeit bekannt gegeben werden, auch seine Fortschritte und letztendlich sein endgültiger Standort. Eine adäquate Unterbringung und Ernährung waren selbstverständlich Voraussetzung. Und nun die Praxis:- nur auf intensives Nachfragen hin bekam ich Änderungen bezüglich Aufenthaltsort, Ausbildungsziele, etc. mitgeteilt. Von alleine trat die Stiftung nie an mich heran

  • obwohl bereits seit drei Monaten klar war, dass Nemo in eine Familie vermittelt werden sollte, saß der Hund "auf Abruf" in einer Zwingeranlage und das auch noch ohne erkennbaren Grund für weitere 3 Monate
  • die Ernährung des Hundes war nicht ausreichend von Menge und/oder Qualität, was anscheinend niemanden zu stören schien
  • Besuche meinerseits waren nicht willkommen und nur unter erschwerten Bedingungen überhaupt möglich

SO war das vertraglich nicht abgesprochen gewesen!!! Ich setzte Frau Kolbe eine Frist, in der sie dafür zu sorgen hatte, dass der Hund wieder einen artgerechten Ernährungszustand bekam und schnellstmöglich vermittelt werden sollte, ansonsten würde ich rechtliche Schritte einleiten. Was war ich enttäuscht!! Ich hatte der Stiftung vollends vertraut und nun das! Frau Kolbe versuchte, die Sache herunterzuspielen, versprach aber eine umgehende Vermittlung und Unterbringung im Hause, sowie eine Futterumstellung. Hier ihre Mail:

Liebe Frau Noelle,

nach unserem Telefonat habe ich direkt noch einmal mit Frau Sch. (Anm.: die Lebensgefährtin des Trainers Herr Müller) gesprochen (Herr Müller war auf Teamschulung) und die von Ihnen angesprochenen Punkte im Einzelnen erörtert.

Sie bestätigte mir unter anderem, dass Nemo zwischenzeitlich wegen seiner sehr „schlanken“ Figur dem Tierarzt vorgestellt wurde. Der allerdings damals die Situation nicht als behandlungsbedürftig (da auch keine übergroßen Kotmengen abgesetzt wurden,…)  eingestuft hatte- was allerdings auch keine Entschuldigung ist. denn als Trainer sehe ich, erst recht wenn ich selbst den Hund tagtäglich vor Augen habe, dass Handlungsbedarf besteht.

Wie vereinbart, wurde sofort mit der Zufütterung begonnen, dass hochkalorienreiche Futter ist zwischenzeitlich auch eingetroffen, so dass hier entsprechend der tierärztlichen Verordnung gefüttert wird. Der Termin für die Eingangsuntersuchung stand bereits fest, so dass am Mittwoch zusätzlich neben einem großen Blutbild auch die Schilddrüsen- und Bauchspeicheldrüsenwerte mit in Auftrag gegeben wurden. Laut Auskunft des Tierarztes sollte eine Kotprobe erst in Auftrag gegeben werden, wenn die Ergebnisse der Blutuntersuchung nicht die Ursache der fehlenden Gewichtszunahme aufzeigt. Sobald uns die Ergebnisse vorliegen melde ich mich wieder bei ihnen.

Gleichzeitig möchte ich noch mitteilen, dass selbstverständlich regelmäßig vorbeugend bei allen Hunden eine Parasiten- und Wurmbehandlung erfolgt.

Da ich es zeitlich und auch gesundheitlich momentan nicht schaffe, Nemo noch im Dezember zu besuchen- steht der Termin für Januar bereits fest in meinen Kalender. So dass ich Ihnen dann Nemos Fortschritte (Gewicht) per Bild dokumentieren kann.

Ich hoffe, Ihnen bald eine bessere Nachricht senden zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Kolbe von der Kynos Stiftung

Man würde sich dann melden...


Februar 2010: Im Februar bekam ich dann ein Schreiben mit den Ergebnissen der Eingangsuntersuchung (Nemo war HD-frei) und einer Bescheinigung vom Tierarzt, dass Nemos Ernährungszustand ok wäre. Keine Bilder. Weiterhin die Ankündigung, dass er jetzt (nach 5 Monaten "nutzlosem" Aufenthalt bei seinem "Trainer") zur Vermittlung anstünde. Sobald diese erfolgt sei, würde man sich melden und mir den endgültigen Aufenthalt von Nemo mitteilen und Bilder. Aber wiederum geschah nichts dergleichen...


November 2010: Im November waren wir mit dem Cub als Aussteller auf der Messe MEIN TIER in Oldenburg vertreten und - ach was für ein Zufall- in unserer umittelbaren Nähe hatte die Kynos-Stiftung einen Stand! Endlich bekam ich Frau Kolbe mal persönlich zu fassen! Ich war schlichtweg wütend und enttäuscht über die Hinhaltetaktik und absolut mangelhafte Informationsübermittlung, was den Zustand, Aufenthaltsort und die Vermittlung von NEMO anbelangt. Wer mich persönlich kennt, der kann sich die Szene in allen Einzelheiten vorstellen - sie war entsprechend lautstark. Frau Kolbe erzählte mir, dass Nemo im März an einen autistischen Jungen vermittelt worden wäre, Genaueres wollte sie umgehend nach der Messe per Mail mitteilen. Aha..


Mm 13. Dezember dann folgende Mail von ihr:

Sehr geehrte Frau Noelle,

wie bereits mitgeteilt, lebt unser Therapiebegleithund „Nemo“ nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Intensivausbildung und der Teamschulung seit März 2010 bei der Familie seines neuen „Herrchens Pascal“ (13 jähriger autistischer Junge). In der 1. Woche im Januar 2011 ist die Teamüberprüfung durch unseren Fachtrainer eingeplant. Hier besucht unser Fachtrainer die Familie erneut vor Ort und überprüft den Stand der Teamentwicklung und den Ausbildungsstand des Hundes. Falls eine Nachschulung erforderlich ist, wird Herr Müller entsprechend mit der Familie, mit Pascal und Nemo direkt gemeinsam arbeiten. Denn oftmals schleichen sich im Umgang durch nicht (immer) konsequentes Einhalten von festgelegten „Umgangsregeln“ der eine oder andere kleine Fehler ein, der einer Korrektur bedarf.

Nachdem ich noch einmal persönlich mit der Mutti telefoniert habe, hat sie der Stiftung diese Zeilen und einige Photos geschickt. Die ich Ihnen gern weiterleite.

Sobald mir neue Infos /Bilder vorliegen, werde ich mich wieder bei Ihnen melden.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Kolbe

Von der Kynos Stiftung

Im Anhang:

Liebe Frau Kolbe, 
  
anbei ein paar Bilder von Nemo und Pascal. Weitere Bilder von der ganzen   Familie mit Nemo werden demnächst folgen. 
Nemo hat sich hier sehr gut eingelebt und ist aufgrund seines liebevollen   Wesens auch bei anderen Hundebesitzern, mit denen wir uns regelmäßig im Wald  treffen, sehr beliebt. Er ist sehr verschmust und hängt sehr an jedem einzelnen   unserer Familie. Wir können uns ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen,   denn er bereichert uns sehr, wir haben ihn in unsere Herzen eingeschlossen  und mein Sohn Pascal macht durch Nemo sehr tolle Fortschritte. Nemo ist   Pascal`s allerbester Freund geworden. Nemo ist nach wie vor an allem sehr   interessiert, lernt sehr schnell, ist noch sehr verspielt und war vorgestern   bei seiner Impfung wieder sehr tapfer und hat es ohne Jammerei hingenommen.  Hohe Begeisterung ist bei Nemo auch jetzt wieder wegen dem vielen Schnee. Er   beschnuppert alles sehr intensiv und freut sich, im Schnee rumzutollen. 
Wir sind Ihnen allen unendlich dankbar, denn Sie leisten eine tolle Arbeit   und meinem Sohn hilft Nemo sehr, unter anderem auch bei der Kontaktaufnahme
zu seiner Umwelt. Was besonders bei autistischen Menschen ien großes Problem darstellt. Wir melden uns bald wieder. 

 


Pascal mit seinem Freund NEMO

November 2011: Väterchen Zufall hat mir geholfen: Die Familie, bei der Nemo jetzt wohnt, war auf der Suche nach einem Zweithund, diesmal NICHT von der Kynos-Stiftung. Da die Mutter von Pascal ja ohne Einschränkung einen Welpen aufziehen kann, waren sie auf der Suche nach einem Kurzhaarcolliewelpen. So kamen sie auf unserer Homepage und konnten dort den Bericht nachlesen. Pascal’s Mutter war entsetzt und meldete sich umgehend bei mir. Sie wusste nicht, woher Nemo stammte und dass ich ihn suchte. Das Wichtigste: Nemo geht es gut! Er und Pascal haben ein sehr enges Verhältnis, mit den beiden klappt es super J

Natürlich haben wir uns auch über die Kynos-Stiftung ausgetauscht und haben unsere Verträge gegenseitig einsehen dürfen. Meine Überraschung und mein Ärger waren nicht zu beschreiben, als ich erfuhr, was die Stiftung Pascal’s Eltern vertraglich aufgetragen hatte. Die Inhalte waren nicht konform mit meinen Rechten aus meinem Vertrag mit der Stiftung. Die Ausbildung des Hundes wurde zwar blumig umschrieben, aber nicht mit einem Wort konkretisiert. Nemo konnte „Sitz“, und das war’s dann auch. Keine Begleithundeprüfung, keine detaillierte Beschreibung seiner erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Wie auch- Nemo hat ja keine Ausbildung erhalten, die ihn besonders auszeichnet. Sicher, er ist sensibel und einfühlsam Pascal gegenüber, aber das wäre er auch ohne seine Zeit bei der Stiftung gewesen. Letztendlich wurde der Hund dann für stolze 2.550 Euro „zur Nutzung überlassen“, das Eigentum bleibt weiterhin bei der Stiftung, die den Hund „bei Bedarf“ wieder abholen und erneut weitergeben kann. Mir hatte man versichert, die bedürftigen Personen würden den Hund komplett kostenfrei überlassen bekommen. Der ganze Vertrag strotzt nur von derartigen „Eigentümlichkeiten“. In der Rechnungsaufstellung für die Krankenkasse von Pascal wurde der Verkaufswert von Nemo mit über 20.000 Euro angegeben, u.a. war dort ein Welpeneinkaufskaufpreis von 2500 Euro aufgelistet. Diesen Kaufpreis habe ich nie erhalten, da der Hund ja komplett gespendet wurde. Ferner hat der „Trainer“ den Vertrag mit unterschrieben, seit wann bitte hat denn der Mann Eigentumsrechte an NEMO? Das Ganze ist rechtlich sicherlich relevant. Trotzdem haben Pascal’s Mutter und ich entschieden, solange keine rechtlichen Schritte einzuleiten, wie die Stiftung sich nicht weiter in Nemo’s Leben einmischt. Sollte die Stiftung je auf die Idee kommen, Nemo Pascal wieder wegnehmen zu wollen, wenn Pascal das Erwachsenenalter erreicht, werden wir das sicherlich nachholen.

Fazit: Ich bin nach meiner anfänglichen Begeisterung und Euphorie nach wie vor maßlos enttäuscht von der Art der "Zusammenarbeit" mit der Kynos Stiftung. Sie sind in vielen Teilen vertragsbrüchig geworden, eine freiwillige Informationsweitergabe von Seiten und auf Initiative der Stiftung gab es nicht. Die Zusammenarbeit war und ist nicht zuverlässig, gemachte Zusagen über die Unterbringung, Ausbildung und Vermittlung von Nemo wurden nicht vertragsgemäß eingehalten. Ich bin von dem Gedanken, weitere Welpen an die Stiftung zu spenden, längst abgerückt. Vielleicht liegt es auch an meiner Person, dass ich mich mit der bloßen Übergabe des Hundes an die Stiftung nicht zufrieden geben wollte, sondern auf die zugesicherten Infos bestanden habe. Ich nehme an, dass andere Züchter das nicht so eng und genau sehen und die Stiftung einfach gewähren lassen in der Hoffnung, dass dort zuverlässige Profis am Werk sind. Da mir das aber nicht reichte, ist es zu den beschriebenen Differenzen gekommen. Schade für die Sache an sich, wir wollten gerne einem behinderten Menschen weiterhelfen. Nun hoffe ich trotzdem, dass uns dieses bei Nemo und Pascal letztendlich gelungen ist, aber der Weg dahin erscheint mir für meine Hunde und mich nicht der Richtige zu sein. Wir werden uns daher weiterhin anderweitig engagieren.