Massachussetts

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich in Frankfurt gelandet bin, habe ich mir so meine Gedanken gemacht, dass dieser Reisebericht im Vergleich zu dem vor 5 Jahren ja doch erheblich langweiliger werden würde. Bis auf die paar kleinen Problemchen war alles glatt verlaufen. Velvet würde gleich ihre neue Heimat betreten, wir würden nett im ICE nach Hannover fahren, wo wir bereits erwartet und nach Hause gefahren werden würden. Dachte ich. Aber man soll ja lieber nicht denken und irgendwie war diese Reise bisher nicht gerade typisch für mich verlaufen --- einfach zu glatt. Dass sich dieser Umstand noch erheblich ändern würde und der Reisebericht noch regelrecht dramatische Züge annehmen würde, meine Nerven blank und ich wegen Urkundenfälschung mit einem Bein im Gefängnis, das war um 12.12 Uhr am 10. Dezember 2007 nicht annähernd abzusehen…

Aber der Reihe nach: Ich bin schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem guten Deckrüden, um im nächsten Jahr mit einer meiner Hündinnen zum Decken in die USA zu fahren. Im Verlauf dieser Suche stieß ich irgendwann auf den Kennel „Special Collies“. Einer der Rüden gefiel mir ganz besonders: Special Velvet Teddy Bear, genannt Ruben. Ich trat in Kontakt mit der Züchterin Laura LaBounty und wir tauschten jede Menge Infos aus. Sie erzählte mir, dass sie gerade einen Wurf von Ruben liegen hatte, nur eine Woche älter als mein eigener Wurf von Hazel. Leider waren schon alle Rüden vergeben. Ich schenkte dem Wurf keine Beachtung mehr, da ich ja eigentlich auf der Suche nach einem Deckrüden war, und nicht nach einem Welpen. Als Laura dann am 4. November ihre HP aktualisierte, bot sie auch die noch verbliebenen drei Hündinnen aus dem Wurf zum Verkauf an. Die ersten beiden ganz niedlich, aber keine Überflieger. Doch dann sah ich ein Bild von der dritten Hündin:

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WOW!! Was für ein Kracher! Der Gesichtsausdruck, die Knochenstärke und dieser selbstbewusste Blick in die Kamera, dazu noch eine dicke breite weiße Schnute mit großer Blesse --- genau mein Typ Hund! Ich überlegte nur 5 Sekunden (wenn überhaupt so lange) und ließ dann die Tasten meiner Tastatur glühen — ich wollte diese schöne Hündin so gerne für unsere Zucht gewinnen. Laura hatte allerdings ganz klar im Internet erwähnt, dass diese Hündin nur an einen erfahrenen Aussteller und Züchter abzugeben wäre. Klar, der Hund sollte auf Ausstellungen Werbung für Special Collies machen, was bei der Qualität auch zu erwarten wäre. Würde sie die Hündin auch nach Europa verkaufen? Weit weg, wo der Hund weder durch gute Nachzuchten, noch durch Ausstellungserfolge im eigenen Land Furore machen kann? Ich war mir da nicht so sicher… Es dauerte zwei Tage, bis Laura antwortete. Das waren verdammt lange zwei Tage! Ich gab die Hoffnung schon auf. Dann kam die mail, in der sie sagte, dass sie die Hündin gerne mit sog. co-ownership abgeben möchte, wo sie Mitbesitzer bleibt und den Hund auch mal für einen Wurf einsetzen kann. Das wäre bei mir nicht möglich. Unabhängig davon könnte sie den Welpen nicht unter einer stattlichen Summe (die hier lieber ungekannt bleibt) abgeben. Also in den sauren Apfel beißen, Konto plündern und zurück mailen, dass ich gerne bereit bin den Preis zu zahlen und selber nach Boston fliegen möchte, um den Welpen abzuholen. Ich wollte unbedingt die Eltern des Hundes, sowie den Kennel und die Aufzuchtbedingungen kennen lernen. Ich bin da ziemlich kritisch und einen verschüchterten, schlecht sozialisierten Welpen würde ich letztendlich lieber dort lassen. Auch der allgemeine Gesundheitseindruck ist wichtig, Papier ist geduldig und es ist schon so manch angeschlagener Welpe über den großen Teich geflogen und hat seinem neuen Besitzer viel Kummer und Probleme bereitet. Es ist IMMER wichtig, einen Hund VORHER in Augenschein zu nehmen, bevor man ihn kauft. Das gilt gerade für Hunde aus Amerika, ich würde mir niemals einen Hund auf blauen Dunst hin schicken lassen. Das Risiko ist einfach zu groß. 

Weitere zwei endlose Tage vergingen, in denen ich in den Startlöchern stand, um zu buchen, aber ohne Laura’s definitive Zusage war das nicht möglich. Am 12. November, also 8 lange Tage nach meiner Anfrage, bekam ich das OK von Laura! Wie sagt man so schön: Drei… zwei… eins… meins!!  Jetzt ging’s los mit der Organisation – wie jeder weiß, mein Spezialgebiet, haha :-) Ging  los mit dem Flug. Hmm Lufthansa hatte im Internet eine gute Flugverbindung hin und zurück in drei Tagen für €529.-. Aber nur buchbar online mit Kreditkarte. ABER: Der Passagier musste der Inhaber der Kreditkarte sein. Sch… In unserer Familie gibt es nur eine Kreditkarte, die gehört meinem Mann Dirk. Also habe ich da mal flugs angerufen und wollte per Telefon mit Lasteinzugsverfahren oder Rechnung buchen. Ginge ja alles, aber dann wären wir bei €628.-. Nee nicht mit mir, musste auch günstiger gehen. Meine Empfehlung: www.airline-direct.de  Nun habe ich meinen Flug bei Lufthansa für €446,39 bekommen. Ein Schnäppchen nur drei Wochen vor Reiseantritt!! Der Hund als Übergepäck (exceeded baggage) für den Rückflug wurde auch gleich reserviert und bestätigt. Ich war erstaunt: Der Preis für den Transport des Hundes war immer noch $105.-, es hatte in den letzten 5 Jahren in dem Bereich keine Preiserhöhung gegeben. Laura wollte mich am Samstag den 8. Dezember abholen und am 9. Dezember zum Abflug zum Flughafen zurück bringen. Da ich aber schon am 8. ankommen würde, musste also für eine Nacht ein Hotel in Flughafennähe her. Wieder mein Tipp: www.expedia.de  Gut, schnell und günstig. Man muss sich zwar auf die Bewertung von ehemaligen Hotelbuchern verlassen, aber für eine Nacht wird’s schon gehen. Noch schnell beim Ministerium für Landwirtschaft, etc. in Hessen angerufen, ob sich in letzter Zeit was an den Einfuhrbedingungen für Reisegepäckhunde (ist weniger kompliziert als für Frachthunde, sog. Cargo-Hunde) geändert hätte, aber von dort kam die Antwort: Nein, alles wie gehabt. Na super! Damit die Erstimpfung und das Gesundheitszeugnis später nicht umgetragen werden müssen, habe ich Laura einen EU-Heimtierausweis vorausgeschickt, damit die Impfungen und auch die Mikrochipnummer, etc. direkt eingetragen werden und es bei der Einreise nach Deutschland keine Problem gibt, weil eventuell irgendwas nicht vollständig wäre. Da mein Reisepass verschwunden war, musste noch schnell per Eilantrag ein Neuer her. Diesmal das allerneueste Modell, mit Fingerabdrücken, wow…  Alles war geregelt, man lernt ja aus vergangenen chaotischen Reisen, jetzt konnte es losgehen!

Donnerstag, 6. Dezember

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Pünktlich um 13.00 Uhr holte mich Jörg Radloff ab, um mich zum Bahnhof nach Rotenburg zu fahren. Schnell noch eine Bratwurst vor der Reise und dann ab in den ICE nach Koblenz. In Koblenz erwarteten mich meine Freundin Jane und ihr Collie Poll (der Vater vom H-Wurf) schon an Bahnhof. Ab zu Jane, noch ne Runde gequatscht und dann relativ pünktlich in die Federn. Jane’s Sohn Leon hatte freiwillig sein Bett zur Verfügung gestellt, ich schlief sofort ein.

Freitag 7. Dezember

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Wieder ganz pünktlich aufgestanden und dann haben Jane und Poll mich zum Airport Frankfurt gefahren. Bei Lufthansa eingecheckt, den Transportkennel für Velvet als Gepäck aufgegeben, durch die Sicherheitsschleuse und ab in den Flieger. Dabei fiel mir auf, dass ich weder meinen Personalausweis, noch meine Krankenkarte dabei hatte, nur den Reisepass. Egal, muss auch so gehen. Im Flieger war der Service trotz Economy-Platz sehr gut. Das Essen hat ganz gut geschmeckt (naja, war nicht üppig und doch sehr nahe an „Essen auf Rädern“, aber ging so). Als Film gab es „Ratatouille“ und das Liebesleben von Erdmännchen. Sehr interessant. Nach 8 Stunden dann in Boston gelandet. Das Gepäck einsammeln bei der Gepäckausgabe dauerte fast 45 min. Erschwert wurde die Sache, weil das Band nicht richtig leer wurde. Warum? Nun die Passagiere hatten echte Probleme, ihr Gepäck zu identifizieren und abzuräumen, um so Platz für nachrückende Gepäckstücke zu schaffen. Ich tippe mal 80% der Gepäckstücke waren so genannte Trolleys, kleine kompakte Koffer aus Stoff und Kunstleder, mit Rollen und ausziehbarem Griff. Schicker kleiner Reisekoffer. Aber nur so lange, wie ihn nicht auch alle anderen Passagiere ihr Eigen nennen… Hunderte dieser kleinen Koffer türmten sich auf dem Gepäcklaufband. Verwirrte Passagiere zerrten auf gut Glück evtl. passende Koffer vom Band, nur um nach einer genaueren Inspektion enttäuscht feststellen zu müssen, dass es doch nicht der eigene Koffer war. Also wieder rauf aufs Band wuchten und weiter Ausschau halten. Vor mir stand eine ältere Dame, die sich damit ein wenig schwer tat – mit dem Erkennen und mit dem Rauf- und Runterwuchten. Als ich ihr das dritte Mal einen fremden Koffer wieder auf das Band schob, fiel mir auf, dass einige der Passagiere ihre Koffer am Griff mit farbigem Geschenkband gekennzeichnet hatten. Aha! Vielflieger! Wie clever! Leider nur so lange, wie nicht auch andere auf die gleiche Idee mit dem gleichen farbigen nett gekräuselten Geschenkband kommen. Ich zählte ca. 8 Koffer mit rotem, 4 mit grünem und sogar einen mit gold glänzendem Band um den Griff herum. Unfreiwillig tiefer in die Thematik involviert, machte ich mir darüber Gedanken, wie sinnig es ist, sich einen schicken kleinen schwarzen Reisekoffer anzuschaffen, um ihn dann mit billigem und kitschigem Geschenkband zu verunzieren. So befassten sich meine Gedanken mit dieser tiefsinnigen Frage und ich kam nach 45 min zu dem Entschluss, dass nicht die LÖSUNG dieser Frage der Schlüssel zu Erfolg war, sondern die PRODUKTION dieser in Horden auftretenden Koffer an sich. Scheißegal, ob die Leute ihre Koffer mögen und wiederfinden– Fakt ist: Sie kaufen sie. In Massen. Die Firma SAMSONITE hatte den ultimativen, globalen Koffergeschmack aller Nationen getroffen. Herzlichen Glückwunsch! Ich beschloss, in meinem nächsten Leben ebenfalls kleine schwarze Reisekoffer mit Rollen und Ziehgriff zu produzieren. 

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Irgendwann hatte ich dann auch mein Gepäck eingesammelt und dabei festgestellt, dass eine Klammer der Arretierung des linken Vorderrades des Kennels weg war, was die Rollfähigkeit doch arg einschränkte, da der Kennel leichte Schlagseite bekam, wenn das Rad rausrutschte und abfiel. Ich hoffte, bei Laura das Problem mit Tape lösen zu können. Bevor ich den Airport verließ, versicherte ich mich bei United Airlines, dass für den Rückflug der Kennel gebucht war. United Airlines gehört wie Lufthansa zur Star Alliance, die übernehmen gegenseitig Passagiere auf sonst nicht ausgebuchten Flügen. So fliegt nur ein Flugzeug, mit Passagieren von mehreren Fluggesellschaften. Ist so billiger für alle. Der Kennel war ordnungsgemäß gebucht. Am Schalter bekam ich dann auch gleich die Checkliste für Kennels von United Airlines:

- der Kennel muss so groß sein, dass der Hund darin aufrecht stehen u. ausgestreckt liegen kann
- der Kennel muss an vier Seiten ausreichend große Lüftungsschlitze haben
- zwei Wassernäpfe o. ein zweigeteilter Napf müssen fest an der Innenseite des Gitters angebracht sein
- die beiden Hälften des Kennels müssen durch Schraubverbindungen oder mit Klippverschlüssen
  gesichert sein, damit der Kennel nicht in zwei  Hälften bricht und der Hund entweicht, wenn der
  Kennel Stöße kriegt oder mal umgeworfen wird
- ein knallroter Aufkleber mit „LIVE ANIMALS“ muss gut sichtbar vorne und hinten angebracht sein
- an allen vier Ecken müssen Pfeile aufgeklebt werden, die eindeutig  nach oben zeigen.
- ein Anhänger mit Fütterungshinweisen muss am Kennel angebracht sein
- der Kennel darf keine Rollen haben, weil er sonst leichter kippt

Ha! Schon war mein Vorderrad-Problem gelöst! Keine Rollen — kein Vorderrad-Problem! Na also! Ich brachte all die Aufkleber auf dem Kennel an. So dass ich das nicht mehr vor dem Abflug machen müsste. Voilà:

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Ab zum Taxistand und ein Sammeltaxi zum Hotel genommen. Für schlappe $20.- inkl. Tip (Trinkgeld). Das Hotel liegt mitten in Downtown, dem ältesten Teil der Stadt. Dieser Teil ist noch sehr vom Kolonialstil geprägt. Was ich nicht wusste: Das Boston Omni Parker House Hotel ist das älteste, durchgehend betriebene Hotel in den USA! Seit 1855 gibt es das Hotel. In ihm haben Präsidenten ihre Junggesellenabende gefeiert (Kennedy und Clinton), Verfassungsgrundsätze erörtert, wichtige Politiker, Wirtschaftsbosse und Sportler gehen dort ein- und aus. Die Geschichte des Hotels fühlt man in jedem Raum, man fühlt sich 100 Jahre zurück versetzt. Hat Titanic-Flair.

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In dieses edle Ambiente platze ich nun herein, beladen mit einem überdimensionalen Rucksack und einem „hinkenden“ Kennel. Na super! Der Concierge war sehr hilfreich, gab mir gleich meine Keycard (Schlüssel gibt’s hier nicht) und ich schwebte in einem traumhaften Aufzug in den 5. Stock. Das Zimmer lässt sich nicht beschreiben, schaut selbst:

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Sehr bezeichnend fand ich das Begrüßungsgeschenk und die handschriftlich unterschriebene Willkommenskarte! Das hat Stil!

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In dem Becher war Schokolade (nicht lange), ein blaues Weihnachtsplätzchen und diverse Tees. Interessanterweise waren die Beutel in Pyramidenform. Man stellt die Pyramiden in den Becher, gießt heiß Wasser auf (gab es natürlich im Zimmer vor Ort aus einer Art Espresso-Maschine) und fasst das Pyramidchen nach dem Ziehen des Tees am Zipfel an und holt es heraus. Kein Verlieren des Teebeutelfadens, kein Ausdrücken und kein auslaufender Teebeutel am Tassenrand. Genial! Das nur mal so am Rande…

Bostoner Zeit ist 6 Stunden vor unserer Zeit, das heißt um 4 Uhr nachmittags in Boston, war es hier schon 10 Uhr abends. Langsam begann ich müde zu werden.. Aber nix da, ich hatte noch ein großes Pensum vor mir. Aufgabe Nr.1: Bargeld. Laura wollte für den Welpen Bargeld und keine Traveller Cheques. Also habe ich den Concierge ausgequetscht und erfahren, dass ganz in der Nähe ein Office von American Express war. Nix wie hin und ersteinmal den Großteil der Cheques eingelöst. Aufgabe Nr. 2: Angie wollte von mir Postkarten aus Boston als Mitbringsel. Sie sammelt Postkarten. Na gut. Inzwischen war es stockdunkel und es begann zu schneien. Na toll. Ich habe ein absolut schlechtes Orientierungsvermögen und bin ziemlich nachtblind. Macht nix. Ich ging einfach nach Downtown. Die Stadt war weihnachtlich geschmückt, es sah toll aus! Überall hingen kleine Gestecke an den Gebäuden und Lampenmasten, das schaffte eine sehr familiäre Atmosphäre. 

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Die Amis lieben bunte Lichter. Auch in den Straßen. Wo bei uns nur weiße Beleuchtung hängt, hängt in Amiland Farbe. Leider ist das Bild etwas unscharf, aber man kann den Baum im Bostoner Park erkennen.

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Auch das Rathaus gegenüber dem Hotel sieht toll erleuchtet aus:

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Irgendwo fand ich dann eine Art Buchhandlung, wo ich für Angie Postkarten kaufte. Mir fiel sofort auf, dass die Kunden nicht bis zu den Kassen durch liefen, um sich anzustellen, sondern dass ca. 10 m vor den Kassen eine Hauptschlange war, von der aus man dann einzeln zu den 10-12 Kassen gerufen wurde. Nichts mit drängeln oder Leute bei der Bezahlung über die Schulter schauen, nee nee! Diskretion hat absoluten Vorrang! Wie bei der Post.

Aufgabe Nr. 4 war komplizierter. Mein Göttergatte Dirk wollte gerne ein T-Shirt oder eine Jacke von den Pittsburgh Penguins. Nun sind die Pittsburgh Penguins eine Eishockeymannschaft aus --- ja aus PITTSBURGH. Nicht aus Boston. Auf Nachfrage in einem gut sortierten Sportgeschäft bekam ich die süffisante Aussage, dass man in Boston hervorragende Sportteams habe: die Boston Bruins im Eishockey, die Boston Red Sox im Baseball, die Boston Celtics im Basketball und im Football die New England Patriots. Für eben diese Teams hätte man Sportbekleidung in allen Farben und Größen, aber NICHT FÜR PITTSBURGH!  Ok, ok dann nicht. Ich habe dann ein T-Shirt von den Boston Bruins gekauft, es hat immerhin die gleichen Farben, wie die Pittsburgh Penguins. 

Nun zu Aufgabe Nr. 5: Zurück zum Hotel finden. Da ich ja kein Problem habe, Leute anzuquatschen und nach dem Weg zu fragen, war ich relativ schnell wieder im Hotel. Meine innere Uhr ging auf Mitternacht zu und ich hatte noch nichts gegessen. Also schnell andere Klamotten an und runter ins Hotelrestaurant. Am Eingang stand ein Kellner an einer Art Redepodest und sah mich fragend an. Dort war auch die Speisekarte ausgehängt und ich warf einen Blick drauf, was es hier so gab. Die Preise waren gerade noch erschwinglich und die Angebote auf der Karte europäisch anmutend. Filets, Fisch in allen Variationen, etc. Na gut. Wie in Deutschland so üblich ging ich also flott direkt ins Restaurant, um mir einen Platz zu suchen. Der „Kellner“ hechtete entsetzt hinter mir her und versucht mich zu stoppen. Er erklärte mir, dass er dafür verantwortlich sei, mir einen Platz zuzuweisen, meine Garderobe in Empfang zu nehmen und mir die Speisekarten zu zeigen. Fettnäpfchen hurraa! Leicht betreten ließ ich mir einen Tisch geben, den Stuhl unter den Hintern schieben und die Speisekarten geben. Wie von Geisterhand erschien keine 10 Sekunden später mein persönlicher Kellner und versuchte mir in breitem Bostoner Slang die Vorzüge der Speisekarte näher zu bringen. Ich grinste freundlich (ich musste ihm ja nicht gleich das Lächeln aus dem Gesicht vertreiben, in dem ich ihm erklärte, nur einen Bruchteil von dem verstanden zu haben, was er mit gerade erzählt hatte) und entschied mich dann für ein schönes Lendenstück vom Rind mit zartem Gemüse. Als Dessert wählte ich was mit Eis und Karamell und Pfannkuchen. Der Kellner war etwas überrascht,  dass ich nur Wasser wollte. Ich bin ein Fan von stillem Mineralwasser und war auch noch recht durstig. Was ich wiederum nicht wusste: In Amerika ist es üblich, den Gästen immer ungefragt unbegrenzt kaltes stilles Wasser zur Verfügung zu stellen. Kostenlos. Für den reibungslosen „Befüllungsnachschub“ ist ein spezieller „Waterboy“ zuständig, will heißen: der Mann mit dem kalten Wasser wuselte die nächste Stunde mit seinem Wasserkrug um mich herum und ich trank literweise von dem Zeug. Er war total happy darüber, anscheinend bot sein Job sonst nicht so viel Anerkennung.
Das Essen war einfach hervorragend! Es gehörte zu den 5 besten Mahlzeiten, die ich in meinem Leben genießen durfte, und das waren nicht wenige… 
Todmüde schaffte ich es noch in mein Zimmer hinauf und bestellte für den nächsten Morgen das Frühstück ans Bett. Es war zwar erst 7 Uhr abends in Boston, aber 1 Uhr nachts in meinem Kopf…

Samstag 7. Dezember

Pünktlich 9 Uhr MEZ war ich wach. Leider war es zu der Zeit in Boston erst 3 Uhr nachts. Was tun? Her mit der Liebesschnulze und abtauchen in die Welt der Lords und Ladies des 19 Jahrhunderts. Pünktlich um 7 Uhr kam mein Frühstück aufs Zimmer. Für mich eher ein Mittagessen. Laura wollte mich um 9 Uhr abholen. Statt dessen rief sie an und teilte mir mit, dass sie nicht rechtzeitig zu Hause losgekommen sei, weil sie noch zum Tierarzt musste und daher auch nicht an der Schau, zu der wir in Boston gehen wollten, als Aussteller teilnehmen würde. Sie müsste noch die Wurfschwester von Velvet zum Airport bringen, die sei nach Miami verkauft worden und würde heute noch dorthin reisen. Aha. Na gut. Also neuer Treffpunkt um 12 Uhr vor dem Hotel. Sie kam genau 5 Minuten zu spät und entschuldigte sich überschwänglich. Ihr Großvater war Deutscher gewesen und ein Pünktlichkeitsfanatiker dazu. Sie dachte, alle Deutschen wären so. Ha, da war ich genau die Richtige, dieses Weltbild zu zerstören! Ich bin nämlich herzerfrischend unpünktlich – meistens. Als erstes mussten die Welpen mal „raus“. Was lag näher als der Boston Common Park? 

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Also eben die beiden Welpen (sie hatte Velvet schon mitgebracht, um sie mir zu zeigen und für den anderen Welpen als Gesellschaft) ratz fatz an die Leine, bzw. das Geschirr und ab in den Park. Velvet war im Vergleich zu meinem Wurf deutlich kleiner. Sie war nicht dünn, nur eben kleiner. Meine Welpen haben Velvet's Gewicht mit ca. 6 Wochen, Velvet war aber schon 9 Wochen alt. Der Grund wurde schnell ersichtlich: Laura füttert nur zweimal täglich mit Trockenfutter und Wasser. Das Futter weicht sie nicht vor, daher kann es der Welpe nicht so gut verwerten. Die Folge: Langsameres Wachstum. Das wird sie aber schnell wieder aufholen (hat sie inzwischen auch). In dem Park gab es Eichhörnchen, so genannte „Squirrels“. VIELE Squirrels und TOTAL zahm! Sie sind viel größer als unsere Eichhörnchen und grau statt rot oder schwarz. Sie sehen aus wie kleine Murmeltiere. Sie haben uns fast verfolgt, um Brot oder Kekse aus uns rauszulocken.

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Nach einem schnellen Lunch sind wir direkt zum Airport gefahren um Velvet’s Schwester nach Miami einzuchecken. Jetzt begriff ich auch, warum Laura noch zum Tierarzt musste. Um Hunde im Flugzeug zu transportieren, haben die Airlines Vorgaben. Wie kalt oder warm es am Abflug- und Ankunftsairport sein darf. In Boston war es um die 2 Grad C. Zu kalt! Unter 7 Grad läuft nichts, es sei denn, ein Tierarzt bescheinigt, dass der Hund an niedrigere Temperaturen gewöhnt ist. Das Attest musste Laura an diesem Morgen noch besorgen. Hmm.. ICH hatte für Velvet kein solches Zertifikat. Auf Nachfrage bei den Cargo-Beamten erklärten mir diese, dass auch Reisegepäck-Hunde dieses Attest bräuchten.  Na toll! Gut, dass ich das jetzt schon wusste! Also würden wir noch mal am Sonntag zum Vet müssen… Velvets Schwester wurde eingecheckt, die Wurfgeschwister würden sich wohl alle nie wieder sehen…

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Gleich danach fuhren wir zur Boston Eastern Dog Club Show. Die Schau war für alle Rassen, Collies wurden leider nur noch einer ausgestellt, ein Kurzhaar, da Laura ihre Hunde ja zu Hause gelassen hatte. Wir kamen erst zum Endring und zu den Endausscheidungen. Viele Eindrücke habe ich nicht sammeln können, dafür aber viel „Schnick-Schnack“ rund um den Collie. Ich habe jetzt diverse Collie Magnetaufkleber für unser Auto, seltene Kaffeebecher mit Colliemotiv und sogar ganz entzückende Socken mit verschiedenen eingewebten Colliemotiven! Nicht zu vergessen ein besticktes T-Shirt, das ich aber erst Anfang des Jahres bekommen werde, da es extra in meinen Farben angefertigt wird. Um auf die Hunde zurück zu kommen, ein paar Dinge sind mir auch in der kurzen Zeit aufgefallen. Bekanntermaßen legen die Amerikaner sehr viel Wert auf die perfekte äußere Erscheinung. Ein kleines Beispiel: Dieser kleine Bichon Frisée. Perfekt, oder?

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Zwei Groomer habe ihn vor seinem Auftritt mit Sprays und Kämmen bearbeitet, nicht so prickelnd für den Kleinen… Die Ringe bei Indoor-Schauen sind dort nicht mit schnödem Kunstrasen oder Teppich ausgelegt, nein, es wird ECHTER Rasen verlegt. Wie im Fußballstadion. Dementsprechend duftete es in der Halle stark nach Gras.

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Die Ringe sind viel größer als hier in Europa. Mir wurde auch schnell klar, warum den Ausstellern ein rutschfester und großer Ring so wichtig ist: Dem Gangwerk der Hunde wird dort viel mehr Beachtung geschenkt, als in Europa. Gerade die großen Rassen laufen sich voll aus und zeigen ihr Gangwerk im Trab in enormer Geschwindigkeit. 30m Ringlänge werden voll ausgeschöpft und genutzt. Da heißt es fit sein für Mensch und Hund. Sehr beliebt sind Schleppleinen, die dem Hund ein schnelleres Tempo ermöglichen, als dem Vorführer und vor allem über einen längeren Zeitraum. Der Hund „überholt“ seinen Vorführer, läuft an ihm vorbei zum Ringende in vollem Tempo. Kommt dann der Mensch nicht mehr mit, kein Problem- dafür reicht die Schleppleine. Die Hunde haben – quer durch alle Rassen -  ein Gangwerk gezeigt, das uns Europäer vor Neid erblassen lässt. Ich habe noch nie einen Bearded Collie so elegant und raumgreifend laufen sehen. Auch die Australian Shepherds hatten sehr viel Schub. Nur die Border Collies – naja. Aber das Gebäude der Border war exquisit:

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Ich werde mal sehen, dass wir auf unserer nächsten Schau die Ringe noch mehr vergrößern oder eine Gerade als Laufstrecke einrichten. Das Gangwerk wird bei uns noch viel zu wenig gefördert und beachtet! 

Auch die Pokale waren sehenswert:

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In der Regel sind dies Wanderpokale, wo die jährlichen Sieger mit Namen eingraviert werden und der Pokal nach einem Jahr zurück gebracht  und weiter gegeben wird.

Zwischen durch war ich dann mal „Für kleine Königstiger“, als Laura völlig aufgeregt in den Toilettenraum stürmte. „Stephanie, where are you? I need your camera, NOW! Quick!!“ Ich war doch etwas überrascht und reichte ihr über meine Kabinentür die Kamera. Wieder aus  der Toilette sah ich eine leicht errötete Laura, die mit einem Backfischgrinsen einen älteren Herrn um die Mitte 60 anhimmelte. Sie wollte offensichtlich mit ihm fotografiert werden. Ich kam gerade dazu, als er sagte: „Sorry, no photos, just handshaking“. Er schüttelte ihr ausgiebig die Hand, wandte sich zu mir um, warf mir ein gönnerhaftes Grinsen entgegen und ergriff ebenfalls meine Hand zum „handshaking“. Ich starrte ihn verständnislos an und fragte mich, ob er vielleicht der Veranstalter oder ein wichtiger Richter wäre.  Der Typ drehte sich von uns ab, wollte offensichtlich nicht weiter behelligt werden. Ich fragte Laura, wer das denn nun gewesen sei. „Alan Alda“ hauchte sie. „ Alan what??“ Naa, kennt ihr nicht? Seht ihr, ich auch nicht! 

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Er sei ein ganz bekannter Schauspieler und hätte mal in der Serie M.A.S.H. mitgespielt. Das war zwar schon vor 30 Jahren gewesen, aber na ja. Sie war total aufgeregt. Ich teilte ihr mit, dass bei mir nur der Anblick von Pierce Brosnan, Bill Pullman oder Hugh Jackman derart den Schlüpfer heiß werden ließe, dass ich Leute auf der Toilette überfallen und deren Kamera abziehen würde. Aber nicht so ein alter Mann! Sie versprach mir, nach Brosnan, Pullman und Jackman Ausschau zu halten und mich erst dann wieder von einer Toilette zerren würde, wenn sie einen der drei gefunden hätte. Wir haben uns schlapp gelacht. Ich dachte, damit sei die Sache mit dem alten Mann erledigt, aber nein, weit gefehlt. Als wir von der Schau nach Hause fuhren, näherten wir uns zum x-ten Mal einer Mautstation. Apropo Maut: In den zwei Tagen, in denen ich mit Laura durch die Gegend fuhr, hat sie bestimmt 50 Dollar nur an Mautgebühren bezahlt. Ich habe daher beschlossen, mit dem Geld, das ich in meinem nächsten Leben mit den Reisekoffern verdienen werde, mehrere Autobahnstrecken zu finanzieren, Tunnel, Brücken, etc, und mir mit den Mauteinnahmen die Nase verplatinieren werde, yes!

Aber zurück zu Alan Alda. Wir näherten uns also auf dem Weg zu Special Collies einer der unzähligen Mautstationen nahe Boston. Schräg vor uns fuhr ein aufgemotzter Hummer mit einem seltsamen Kennzeichen:

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Laura sah den Hummer mit dem Kennzeichen aus dem Bundesstaat Maine und war sofort wieder Feuer und Flamme. „Stephanie! Get out your camera and take a photo of the car and it’s driver!“  Ähemmm… Es war stockdunkel und regnete wie aus Kübeln.. “Why?...?” wagte ich zu fragen. Antwort: Alan Alda wohnt im Bundesstaat Maine, liebt die Automarke Hummer und sein Codename in der Serie war HAWKEYE. Also war davon auszugehen, dass dieser Superheld ebenfalls auf dem Weg nach Hause von der Dog Show war und mal wieder unsere Bahn kreuzte. Also tat ich das Unvermeidliche: Ich kurbelte das Fenster runter, knipste gegen Fahrtwind und Schlagregen ein dunkles Auto. Laura gab Gas und überholte den Hummer, bis wir auf gleicher Höhe fuhren. Nun sollte man nicht denken, dass den Insassen des Hummers diese Aktion verborgen geblieben war. Ein aus dem Auto halb heraus hängender Fotograf, der sie mit Blitzlicht verfolgte und jetzt versuchte, in den Wagen hinein zu fotografieren, fiel natürlich auf. Endlich auf gleicher Höhe stoppten beide Wagen nebeneinander an der Mautstation und ich blickte in die Augen von zwei knackigen jungen Latinos, die mir deutlich besser gefielen, als der alte Mann Alan Alda! Ich quetschte noch ein „Hi guys!“ raus, bevor ich zügig mein Fenster wieder hochkurbelte und befand, dass es mir ja nicht so peinlich sein musste, da das Risiko, den Beiden jemals wieder zu begegnen, geringer war, als ein 6er im Lotto mit drei Zusatzzahlen oder so. Laura war enttäuscht und ich klitschnass. Jedem das Seine…

Auf der zweistündigen Fahrt zu Laura nach Hause gingen mir langsam die Lichter aus. In meinem Kopf war es mal wieder Mitternacht und ich war todmüde. Bei Laura war es deutlich kälter und es lag Schnee. Ich brachte schnell mein Gepäck in das Gästezimmer, aß ein Kleinigkeit und war ruck zuck im Land der Träume.


Sonntag 8. Dezember

Am Sonntagmorgen sah ich mir ersteinmal Velvet’s Eltern und nähere Verwandte an.

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Velvet's Vater Special Velvet Teddy Bear, gen. RUBEN


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Velvet's Mutter Special Sno Angel


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Velvet's Großvater mütterlicherseits: Special Sharp Dressed Man, gen. ZZ

Große kräftige Collies, super freundlich und viel harsches, üppiges Fell, was sicher auch auf die Haltung in kälteren Regionen zurückzuführen ist. Mal sehen, was für ein Fell Velvet hier in Norddeutschland entwickeln wird.

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Nachdem wir die Bescheinigung für die Fluggesellschaft über die Akklimatisierung von Velvet hatten, fuhren wir los wieder Richtung Boston. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt bei „Yankee Candle“ in Deerfield. Wenn ihr glaubt, schon alles gesehen zu haben, was Weihnachtsschmuck betrifft, so muss ich euch enttäuschen! Dieser Laden ist so groß wie zwei Fußballfelder, gefüllt mit Kerzen (über 200 Duftnoten!), hochwertige Kosmetik und Dekoartikel, eine Art Premium-Toys-r’us und so ziemlich JEDEM erhältlichen Weihnachtsartikel. Ich habe sogar Weihnachtskugeln in Collieform gesehen, in sable/white und tricolor!!  Allerdings waren mir $9.99 dann doch zu teuer, zumal ich nicht sicher war, ob die Figur aus hauchdünnem bemaltem Glas den Transport überleben würde. 

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Eine kleine Auswahl an Sweets- Süßigkeiten!

Der ganze Store war in verschiedene Abteilungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten auf geteilt. So gab es auch ein „Bavarian Village“, ein Bayerisches Dorf. Was schall mir da entgegen??? Roy Black mit „Stille Nacht“!! Am anderen Ende der Welt fand ich mich in einem urdeutschen Dorf wieder, mit deutscher Weihnachtsmusik, Kuckucksuhren, Nussknackern und, ja und dem da:


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Yes! Coppenrath und Wiese haben erfolgreich den Weg über den großen Teich gemacht und sich mit ihren Keksen in Amerika etabliert, man glaubt es kaum! Das „und Wiese“ fehlt da zwar im Markennamen, aber sonst alles wie gehabt.

Wir waren vier (!!!) Stunden in dem Laden, um alles gesehen zu haben. Natürlich konnte ich mich als Duftkerzen Fan nicht beherrschen und habe mich dumm und dusselig gekauft. Interessanterweise verkaufen sie dort die Kerzen in einer Art Glasbehälter mir Deckel. Die Kerzen brennen in dem Glasbehälter ab und brennen so viel gleichmäßiger und vor allem tagelang (oder wochenlang, ich teste noch!). 

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In der Hoffnung, sämtliche Freunde und Verwandte werden sich an derartigen netten Mitbringseln ebenfalls erfreuen, kaufte ich ca. 20 kg an Kerzen, Naturseifen, Porzellan Duftlampen, etc. Kein Scherz! Ich sollte noch merken, wie schwer 20 kg auf Dauer werden können…  Tja und wie teuer!  $180 Dollar wurde ich los und damit meine letzten Traveller’s Cheques! Ich hatte noch gerade die $105 für Velvets Transportkosten und das Wechselgeld von insgesamt knapp $20. So schnell waren $2000 Reisegeld dahin geschmolzen… 

Am Flughafen in Boston lief fast alles glatt. Fast- leider wollte der Angestellte von United Arlines, die den Flug zurück für Lufthansa übernahmen, statt der $105 Lufthansagebühr für den Kennel mit Velvet lieber $200 haben! Andere Airline, andere Preise. Na toll. Ich versicherte ihm, leider total blank zu sein. Gott sei Dank schenkte der dem entsetzten Blick meiner braunen Augen Glauben und senkte AUSNAHMSWEISE den Flugpreis für Velvet um 50% auf $100. Wäre in Deutschland nicht gegangen…

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Also ab zur Flugkontrolle und vorher noch eine große Umhängetasche gekauft, von den letzten Dollars, um die ganzen Kerzen und Porzellanduftlampen umzupacken und als Handgepäck mitnehmen zu können. Ein Teil fand noch im Rucksack Platz, dann ging’s ab zu Sicherheitskontrolle. Ich musste so ziemlich alles ausziehen und ablegen, was ging: Jacke, Bluse, Gürtel, Kette, Ringe und die Schuhe! Na wunderbar! Hatte ich doch am Morgen beim Anziehen nur irgendwelche Socken aus dem Rucksack gezerrt, der eine Tennissocken weiß, der andere grau. Ich bot ein hübsches Bild, haha. Nachdem ich durch die Kontrolle durch war, passierte „“Es“. Ich trage gerne so genannte Jodhpurs, das sind Stiefeletten aus Leder, bis über den Knöchel mit seitlichem Gummizug. Um die Dinger anziehen zu können, hat man entweder einen Schuhanzieher oder man hakt den Zeigefinger in die kleine Lasche an der hinteren oberen Stiefelkante und zieht die Schuhe über die Ferse. Ich hatte leider plötzlich keins von Beidem an meinem linken Schuh! Die Lasche riss ab und ich bekam diesen verd… engen Schuh nicht über die Ferse gezogen. Ausgerechnet jetzt! Mitten in der Flugsicherheit und ohne Ersatzschuhe! Ich fand eine Bank und versuchte in dicker Winterclubjacke diesen Schuh zu malträtieren. Ich begann zu schwitzen und buchstäblich zu kochen. Kann man eigentlich auch ohne Schuhe einchecken?!? Gute Frage.. Ich musste das dann glücklicherweise nicht ausprobieren, da ein weiterer Passagier mir netterweise seinen Schuhanzieher lieh, den er im Handgepäck hatte. Er überreichte ihn mir ohne Worte mit einem mitleidigen Lächeln im Gesicht. O Gott, Boden öffne dich und nimm mich auf… Ich beschloss Haltung zu bewahren und reichte ihm den Schuhanzieher mit einem zuckersüßen „Thank you VERY much!“ wieder zurück, nachdem ich, vermutlich zum letzten Mal in meinem Leben, diesen linken Schuh angezogen bekam.

Der Rückflug mit Zwischenstop in Washington verlief gut. Ich bekam in beiden Maschinen vor Abflug jeweils einen kleinen Zettel überreicht, dass Velvet mit „on board“ sei. Die Zettel waren vor dem Einchecken von Velvet an ihrem Kennel befestigt worden. Das empfand ich als echte Verbesserung in den letzten fünf Jahren! So konnte ich immer sicher sein, dass das Flughafenpersonal den richtigen Hund in die richtige Maschine gesetzt hatte. Der Flug war ein Nachtflug und würde die 6 Stunden Zeitverzögerung jetzt wieder aufholen. Geplante Ankunft:

Montag, 10. Dezember 

um 12.14 Uhr MEZ in Frankfurt. Der Tag begann mit einer Stunde Verspätung. Bei der Ankunft. Ging ja noch. Mein fest gebuchter ICE würde erst um 14.52 Uhr abfahren. Ich entstieg dem Flieger und ging zügig zur Gepäckausgabe. An der Ausgabe für Sondergepäck stand auch schon Velvet in ihrem Kennel. Ich beschloss den Kennel zuerst zu holen und besorgte einen Gepäckwagen. Ich wollte den Kennel aufladen, wurde aber von dem Bediensteten daran gehindert. Es müsse erst die Amtsveterinärin einen Blick auf den Hund und die Papiere werfen, ob alles in Ordnung sei. Sie kam auch gleich und sah die Papiere durch. Erste Frage: Haben Sie eine Einfuhrgenehmigung für den Hund? Ich verneinte, da der Hund ja nicht als Frachtgut, sondern als mein Privatbesitz mitreiste, wofür ich keine Einfuhrgenehmigung bräuchte. Ich überreichte ihr den EU-Heimtierausweis, wo Velvet’s Daten und meine Adresse als Besitzer angegeben waren. Aber nein, da hätte sich in den Bestimmungen was geändert, durch das neue EU-Recht, ich bräuchte unbedingt eine Einfuhrgenehmigung, die könnte ich jedoch relativ kurzfristig beim Ministerium beantragen. Solange würde der Hund vom Vetamt jetzt beschlagnahmt werden und die Tierstation im Gebäude der Lufthansa-Cargo verbracht. Sie müsse jedoch vorher noch schnell zum Zoll, um eine Bescheinigung zu bekommen, dass der Hund nicht als Frachthund, sondern als mein Eigentum eingeführt worden sei. Sie ließ mich mit meinem Gepäck und Velvet bei der Gepäckausgabe stehen und verschwand. Um Fragen vorzugreifen? Klar! NATÜRLICH überlegte ich, unauffällig mit dem Hund die Düse zu machen. Aber erstens hatte die Vet-Tante meine Daten und ich hatte kein Lust, wegen Verstoßes gegen die Zollvorschriften oder was auch immer in den Knast zu gehen oder mindestens eine Vorstrafe zu kassieren. Zweitens dachte ich, dass die Sache mit der Erlaubnis nicht lange dauern würde und ich mich ungünstigstenfalls verspäten würde. Den Zug nach Hannover, den ich fest gebucht hatte, konnte ich ja jetzt schon abschreiben... Ich überlegte, dass ich noch genau 140 Euro an Bargeld und weitere 110 Euro auf dem Reisekonto hatte. Sollte für eine neue Fahrkarte reichen. Also wartete ich, bis die Vet-Tante wieder kam. Hier das vorletzte Bild meiner Reise von Velvet bei der Ankunft in Frankfurt, im Laufe der nächsten Tage sollte mir die Lust zu fotografieren gründlich vergehen.

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Ich bekam eine Beschreibung, wo die Tierstation sei und die Auskunft, dorthin ein Taxi nehmen zu müssen. Kostenpunkt: 15 Euro für eine Fahrt von 2 km über das Flughafengelände. Um zur Tierstation zu gelangen, musste ich auf das Gelände der Lufthansa Cargo. Da kommt nicht jeder so rein. Man muss einen Personalausweis oder Reisepass vorlegen und dann einen Pfand hinterlassen, wie z.B. den Ausweis selber, Führerschein, Krankenkassenkarte, etc. Den Reisepass brauchte ich aber, um mich bei der Tierstation als Besitzer von Velvet ausweisen zu können. Glücklicherweise erklärte sich der Taxifahrer bereit, sich für mich registrieren zu lassen. Das ging, weil eine Begleitperson frei war. Also ab zur Tierstation. Dort verwies man mich ans Veterinäramt. Die Leute dort sind echt unterbeschäftigt. Als ich in das Büro kam, wurde gerade diskutiert, ob man lieber Stollen oder Plätzchen zum Kaffee plante. Nach 10 Min kam dann der diensthabende Tierarzt auf mich zu und fragte, wo ich den EU-Heimtierausweis für Velvet her hätte und wer den ausgefüllt hätte. Ich sagte, dass ich den Pass mit ihren Daten ausgefüllt und voraus gesandt hatte, um die Impfdaten von Velvet gleich eintragen zu lassen, Mikrochip, etc…. Oh-oh, böser Fehler! Er unterbrach mich mit der Bemerkung, dass ich mich damit der Urkundenfälschung strafbar gemacht hätte und außerdem die Einfuhr des Hundes unter begünstigten Bedingungen hätte erschleichen wollen. Er hielt mir irgendein Merkblatt unter die Nase: Ein Verstoß gegen das Einfuhr- und Verbringungsverbot kann mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe geahndet werden. Auch der Versuch sowie fahrlässiges Handeln sind mit Strafe belegt. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, dass bei Zuwiderhandlung gegen die genannten Bestimmungen die Hunde eingezogen werden. Bumm. Er müsste meinen Verstoß zur Anzeige bringen. Langsam wurde mir mulmig und ich sah meine Heimreise in weite Ferne schwinden. Dann hielt er mir einen Antrag unter die Nase, dass ich beim Sozialministerium in Hessen die Einreise für Velvet beantragen sollte. Die Einreise des Hundes hätte ja nichts mit meinem Vergehen zu tun. Er würde den Antrag weiterleiten per Fax und mit Glück hätte ich in einer Stunde die Erlaubnis. Ich könnte ja solange draußen spazieren gehen oder in der Frachthalle warten. Es war 14.30 Uhr und ich wartete bis 17.00 Uhr in der Halle. Zwischendurch nervte ich die Kaffeetrinkenden Beamten, um einen Zwischenstand zu erfahren. Nach der dritten Störung hielten sie es nicht mehr für nötig, ihre Abneigung mir gegenüber zu verbergen und hätten wohl am liebsten die Bürotür abgeschlossen. Dann kam eine Reaktion: Hessen hätte ja die Erlaubnis erteilt, aber da der Hund ja nach Niedersachsen soll, müsse erst Niedersachsen die Einfuhr genehmigen. Die hätten jetzt Dienstschluss, ich könne morgen wiederkommen. MORGEN??????????? Ich sollte meinen Hund in dieser baufälligen Tierstation mit langen Gitterstäben und kalten uralten Fliesen zurück lassen? Und ich? Wo sollte ich bitte schlafen? Ohne Auto am Airport? Ich war fix und fertig, stank nach zwei Tagen Reisezeit ohne Dusche wie eine alte Ratte und hatte ein Handy, mit dem ich noch max. 10 min hätte telefonieren können, der Akku war nämlich nach vier Tagen fast leer. Ich rief meinen Mann an, dass er mir bitte kurzfristig Geld auf mein Reisekonto überweist, da ich ein neues Ticket für mich und hoffentlich den Hund kaufen müsste, zusätzlich die Fahrten zu Jane, etc. Jörg Radloff wurde noch gerade rechtzeitig von mir informiert, dass er mich NICHT abholen müsste. Jedenfalls nicht heute. Also ab zum Flughafenbahnhof und ein Ticket nach Koblenz zu Jane gekauft. Die informierte ich kurzer Hand von ihrem Glück, mich abends am Bahnhof abholen zu können und mich eine weitere Nacht am Hals zu haben. Aber Jane war hilfsbereit wie immer. Also ab zu den Gleisen, der Zug sollte um 18.25 Uhr abfahren. Um 18.23 Uhr kam eine Durchsage: Da sich zwei Stationen weiter jemand vor den Zug geworfen hatte (sie nannten das „Personenunfall“), würden leider sämtliche Zugverbindungen auf unbestimmte Zeit ausfallen.

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Da saß ich also schwitzend und müde mit einem 30 kg Rucksack und einer 20 kg Tasche, die ich schon mehrfach über den gesamten Flughafen geschleppt hatte. Nach zwei Stunden oder so fuhr dann endlich ein Zug ein, in den der ganze mittlerweile überfüllte Bahnhof einsteigen wollte. Irgendwann um 22.15 Uhr war ich dann in Koblenz bei Jane. Ich schrie nach einer Dusche und Jane wusch noch schnell einen Teil meiner Wäsche, damit ich wieder frische Sachen zum Wechseln hatte. Leon überließ mir abermals sein Bett und ich schlief trotz der Sorgen sofort ein.

Dienstag, 11. Dezember

Ein neuer Tag, mein Kampfgeist war wieder erwacht. Diesmal rief ich selber beim Ministerium an und erfuhr, dass Niedersachsen die Einfuhr erst genehmigen würde, wenn der Hund einen 4 Wochen alten Schutz gegen Tollwut hätte. Will heißen: drei Wochen Quarantäne bis zur Impfung und dann weitere vier Wochen. Sieben Wochen in dieser Tierstation ist keinem Hund zuzumuten, was ich der Dame auch erklärte. Ich erzählte was von Sozialisierungsphase, Bindung zum Menschen, Stubenreinheit, etc, das ganze Programm. Außerdem hatte ich bei der Bundestierärztekammer folgende Einreisebedingungen erfahren:

Reisen mit Welpen 
Die EU hat es den Mitgliedstaaten frei gestellt, ob sie die Einreise von unter 3 Monate alten, nicht geimpften Welpen zulassen oder nicht. Dadurch gibt es keine EU-einheitliche Regelung; die Vorgaben müssen bei der Veterinärbehörde des jeweiligen Landes erfragt werden. 

Deutschland lässt die Einreise aus anderen Mitgliedstaaten zu: 

- für Welpen, die vom Muttertier begleitet werden; das Muttertier muss die EU-Reiseregeln erfüllen.

  - Welpen ohne Muttertier müssen mit Mikrochip gekennzeichnet und von einem EU-Heimtierausweis begleitet sein. Zusätzlich brauchen sie eine schriftliche Erklärung des Verfügungsberechtigten, aus der hervorgeht, dass das Tier bisher ausschließlich am Ort seiner Geburt gehalten worden und nicht mit wild lebenden Tieren in Berührung gekommen ist. 
- aus Drittländern, die von der EU gleichgestellt oder gelistet sind (dazu zählen die USA), dürfen Welpen unter 3 Monaten mit einer Genehmigung eingeführt werden, die rechtzeitig vorher beantragt werden muss bei der Behörde, die für den Ort der Einreise zuständig ist. 

Entscheidender Passus der letzte Abschnitt: Einfuhrgenehmigung des Einreisebundeslandes, nicht des Bundeslandes der Weiterverbringung. VON TOLLWUTIMPFUNG STEHT DA NICHTS!!! Damit bombardierte ich die arme Frau Huber. Sie wies mich darauf hin, dass wenn der Welpe nach Hessen gehen würde, sie sofort eine Genehmigung bei ihrem Chef erwirken könnte unter der Bedingung, dass der Welpe dort bis zur Tollwutimpfung unter Hausquarantäne stehen müsste. Trotzdem. Aber da Niedersachsen jetzt schon involviert wäre, würde das Ärger geben, wenn sie mich so einfach mit dem Hund nach Niedersachsen einreisen lassen würde. Ob ich denn niemanden in Hessen kennen würde..?...  Und ob! Mein ehemaliger Kommilitone und Trauzeuge Clemens führte in der Nähe von Frankfurt eine Tierarztpraxis. Den rief ich an, und erklärte ihm mein Dilemma. Wir hatten uns sei fast 8 Jahren nicht mehr gesehen, aber er fragte nur: Was muss ich tun, um Dir zu helfen? Er beantragte die Einreise für Velvet, versicherte die Unterbringung in Hausquarantäne (als Tierarzt ja nicht so schwer) und der Chef von Frau Huber genehmigte sie. JAWOLL!!!!  Die Genehmigung beinhaltete nur eine Impfanweisung mit 12 Wochen gegen Tollwut, ohne Hausquarantäne! (Also eigentlich vorschriftsmäßig..) Also wieder ab in den Zug, zwei Stunden Fahrt mit Sack und Tasche zum Airport Frankfurt. Dort bin ich ersteinmal zum Geldautomaten, um Geld abzuholen, denn ich rechnete mit Zusatzkosten. Aber außer den 110 Euro war nichts zusätzlich eingegangen! Die Blitzüberweisung von gestern war noch nicht da! Egal, ersteinmal los und den Hund da raus holen. Ich nutzte inzwischen den Shuttlebus für das Personal von Lufthansa-Cargo, um zur Tierstation zu kommen. Kostenfrei und ungefragt. Ging nicht anders, ich musste Geld sparen.

Ich schwebte in dieses Veterinäramt und sah in das abweisende Gesicht des Beamten vom Vortag. Er setzte schon zu seinem „ich weiß nichts Neues, kommen Sie morgen wieder“ an, als ich ihm entgegenschmetterte: „ich habe die Einfuhrgenehmigung!“ Er blickte überrascht und fragte: „Wofür? Für Ihren Hund?“  „Nein, für eine indische Wasserbüffelkuh. Was haben Sie denn gedacht?“ Er wurde leicht säuerlich und setzte sein Dienstgesicht auf. „Warten Sie bitte draußen ich werde die Unterlagen prüfen“. Nach fünf Minuten kam er geschäftig aus seiner Kaffeestube und teilte mir lauernd mit, dass er die Papiere erst ausfüllen würde, wenn klar wäre, dass ich die ganzen Gebühren für das Veterinäramt auch entrichten könnte. Das wären mal eben 146,50 Euro. Ich sagte ihm, dass mein restliches Bargeld für meine Heimreise gedacht sei und ich um eine Rechnung bitten würde. Antwort: „Gute Frau! Wir sind hier eine Behörde! Wir legen hier nichts aus, wir kassieren die Gebühren in bar!“ Na gut, dann würde mein Mann eben heute Nacht nach Frankfurt fahren und mich einsammeln oder sonst was. Egal. Ich gab dem Beamten den Großteil meines verbliebenen Geldes und bekam die Papiere. Erstaunlicherweise auch den EU-Pass. Man teilte mir gnädig mit, dass man auf eine Anzeige verzichten würde, da das Verfahren wegen Geringfügigkeit wohl eh eingestellt werden würde. Damit bin ich gleich zur Tierstation, um Velvet abzuholen. Aber nein: Ich brauchte erst einen Stempel vom Zoll. Ohne Stempel kein Hund. Also 500 m Fußweg mit vollem Gepäck zum Zoll. Dort angekommen wollte man den Hund nun verzollen. Man fragte mich nach dem Wert und der Höhe der Transportkosten. Daraufhin erzählte ich, dass ich keine Waren zum Weiterverkauf eingeführt hätte, sondern meinen eigenen Hund aus den Staaten mitgebracht hätte, was ja wohl keinen Zoll kosten dürfe. Darauf die Antwort vom Zoll: Wenn Sie Ihren eigenen Hund wieder eingeführt haben, dann muss er ja wohl auch einen EU-Ausweis haben, der vor der Ausreise in Deutschland ausgestellt wurde, oder? WIEDER eingeführt? Hmm, bitte, könnt ihr haben! Ich reichte dreist den EU-Pass rüber und hatte daraufhin ruck zuck meinen Stempel, der besagte,  dass ich den Hund als zulässige Freimenge eingeführt hätte, was immer das genau bedeutet. KOSTENFREI, das war das Wichtigste. Leider hatte man mir schon an der Tierstation eröffnet, dass ich für den Aufenthalt von Velvet, die „Einlagerung“ auch noch berappen müsste. Ich brauchte also Geld, jetzt und hier. Also habe ich auf dem Rückweg vom Zoll zur Tierstation meine Bank angerufen und mir auf meinem Reisekonto einen Dispo einrichten lassen. Das muss man meiner Bank lassen: Innerhalb von 10 min war mein Geldproblem gelöst! Vielen Dank an dieser Stelle an die berüchtigte Hamburger Sparkasse! Mit vollen Segeln lief ich dann in die Tierstation ein und löste meinen Hund aus. Der saß mutterseelenallein in dieser Zelle und wirkte inzwischen leicht verunsichert. Ich hatte zwar ihr Welpenfutter von Laura da gelassen, aber das dürfte man hier nicht füttern, es gäbe da Vorschriften… Den Hund eingesackt und ab zum Shuttlebus. Der Fahrer übersah geflissentlich den Hund im Kennel und nahm mich wieder mit. Am Terminal 1 ohne Verzögerung zum Fernbahnhof und Tickets für mich und Velvet gekauft. Dann ab zum Zug, rein und gleich ein Abteil belegt. Fahrtzeit nur 2,5 Stunden bis Hannover. Jörg würde uns da abholen, alles war wieder in Gang gebracht worden. Genau 5 Minuten bevor der Zug in Hannover einfuhr, passierte es. Velvet sch… in den Kennel. Durchfall, sie konnte es nicht mehr halten. Es machte sich in Windeseile ein unbeschreiblicher Gestank breit. 5 Minuten können lang sein! Ich war auf so einen „harten Fall“ nicht vorbereitet und flüchtete schleunigst auf den Bahnsteig. Dort wurde ich von Jörg begrüßt, der in seinem Auto doch tatsächlich jede Menge Haushaltstücher parat hatte! Also den Hund trocken legen, Fenster auf und ab nach Hause. Wir waren am frühen Abend endlich da und Velvet wurde ausgiebig gebadet. Die Durchfälle dauerten noch die Nacht an, dann war sie das Flughafen-Futter endlich los. Ich habe sie dann vorsichtig auf unser Futter umgestellt, seither kein Probleme.
Viele haben mich gefragt, was es so kostet, einen Welpen aus den USA zu importieren. Nun, das ist sicher von Fall zu Fall verschieden. 

Meine Kosten waren Folgende:
Flugticket: 515,93 €
Bahntickets: 189,60 €
Spritgeld für die Fahrer: 75 €
Tierstation, Veterinäramt: 241,50 €
Einfuhrgenehmigung:32 €
Hotel, Verpflegung: ca. 300.- €
Welpenpreis: ca. 1.400 €
Ungefähre Gesamtkosten: 2.754,03 €

Die Kosten waren relativ niedrig, da ich nur eine Übernachtung bezahlen musste, kein Auto mieten musste, bereits einen Flugkennel besaß und nur so kurzen Aufenthalt dort hatte. Zuzurechnen sind allerdings noch weitere ca.  €200.- für die Untersuchungen, die hier in Deutschland noch gemacht wurden (Augenuntersuchung beim anerkannten Ophthalmologen, MDR1 und Gentest auf CH  bei Optigen.) So komme ich insgesamt auf annähernd €3000.-. Eine Investition in die Zukunft. 

Resümee:
Tja was soll ich sagen… Aus jeder Sache lernt man und zieht seine Schlüsse. Da man anscheinend nach den neuen EU-Richtlinien keinen Welpen mehr unter 16 Wochen ohne Probleme einführen kann, werde ich auch davon Abstand nehmen, weil ein Hund mit 16 Wochen bereits wichtige Phasen in der Entwicklung und Sozialisierung hinter sich hat. Dann erst mit Erziehung, Stubenreinheit und Integration in unser vorhandenes Rudel zu beginnen, scheint mir zu spät. Letztendlich hatte ich trotz der Einfuhrprobleme Glück. Hätte Velvet den Durchfall noch in der Tierstation bekommen, hätte man sie wegen Verdacht auf Parvovirose – trotz Impfung- in Quarantäne genommen. Auch der Mikrochip, den bei der ganzen Aufregung niemand mehr gecheckt hatte, stellte sich im Nachhinein als unlesbar heraus. Eine eindeutige Identifizierung war nicht gegeben, die Folge wäre eine dreimonatige Quarantäne und erneute Impfungen gewesen, die auch zu Impfschäden hätten führen können. Ich hatte als mehr Glück als Unglück gehabt, auch wenn es erst nicht danach aussah. Darauf möchte ich mich nicht wieder verlassen. Stattdessen werde ich die Möglichkeit testen, mit einer Hündin in die Staaten zu fliegen und so für interessantes Fremdblut in meinen Linien zu sorgen. Ein weiterer Haken ist die Gesundheit. Die Welpen aus meiner eigenen Zucht haben weitaus bessere Gesundheitswerte, als die in der Regel auf gar nichts getesteten amerikanischen Hunde. Für 3000 Euro bekomme ich auch in Deutschland sehr typvolle, gesundheitlich voll durchgecheckte Welpen – und nicht einen, sondern fast drei für das Geld.  Doch das wusste ich vorher. Velvet hat einen einmaligen Charakter und hervorragenden Körperbau und Fellanlage. Sie ist sicher die Kosten, die Mühe und die Nerven wert. Und das Risiko, denn ob sie letztendlich zuchttauglich wird, weiß heute noch niemand. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass leider die Hälfte aller hoffnungsvollen Welpen im Laufe ihrer Entwicklung Probleme mit der Zahnstellung, der Hüfte oder der Fruchtbarkeit entwickeln. Also fest die Daumen drücken und abwarten. 

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Das ist hier zwar keine Oscar Verleihung, aber ich möchte nicht versäumen, an dieser Stelle einigen Personen meinen Dank auszusprechen, ohne deren Hilfe und Einsatz Velvet heute nicht unter meinem Schreibtisch auf meinen Füßen liegen würde:


- meinem Mann Dirk, der mein Hobby bedingungslos unterstützt und sich um unseren Wurf 
  gekümmert hat, während ich in den Staaten war
- Sina, die ihn in den Wochentagen unterstützt hat
- meiner Freundin Jane, die mir Haus, Fahrdienste und Telefon zur Verfügung gestellt hat und mir 
  kurzfristig immer geholfen hat
- ihrem Sohn Leon, der mir mehrfach sein Bett überlassen hat :-)
- Jörg, der auf Abruf den Chauffeur gespielt hat und mich pünktlich zum Zug hingebracht und wieder 
  in Hannover abgeholt hat
- der Hamburger Sparkasse für die kurze Reaktionszeit und die unbürokratische Hilfe, die sie mir mit 
  dem Dispo hat zuteilwerden lassen
- meinem langjährigen Freund Clemens, der ebenfalls alles stehen und liegen ließ, um mir zu helfen, 
  der bereit war, Velvet 3 Wochen aufzunehmen, um die Quarantänevorschriften zu erfüllen 
- Frau Huber, die sich für Velvet bei ihrem Chef eingesetzt hat und die Genehmigung zur Einreise 
  erteilt hat.
- Laura LaBounty, die mit Velvet anvertraut hat (obwohl sie damit züchterisch auf einen guten Hund 
  verzichtet hat), die mich gastfreundlich aufgenommen hat und mit mir zwei Tage durch die Gegend 
  kutschiert ist 

Vielen Dank!
Stephanie Noelle, Dezember 2007